Ein Tag, eine Stadt, ziemlich viel queere Geschichte und noch mehr Nachtleben. Berlin musst du nicht an einem Wochenende durchspielen, aber in 24 Stunden bekommst du ein gutes Gefühl dafür, warum die Stadt seit rund hundert Jahren ein Magnet für Queers ist. Unser Plan führt dich von Schöneberg über Kreuzberg und Neukölln bis nach Friedrichshain. Öffnungszeiten und Programme ändern sich in Berlin gern mal spontan, also check vor dem Losgehen kurz die Kanäle der Läden.
Vormittag: Regenbogenkiez in Schöneberg
Starte am Nollendorfplatz. Rund um den Platz gibt es laut Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg schon seit den 1920er Jahren queere Lokale, trotz der damaligen Verbote. Erst die Verfolgung durch die Nazis hat diese Szene zerschlagen.
- Gedenktafel Rosa Winkel: Am U-Bahnhof Nollendorfplatz erinnert seit 1989 eine Tafel an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus. Die Inschrift: „Totgeschlagen, Totgeschwiegen“.
- Motzstraße: Hier lag in den 1920ern das berühmte Eldorado mit seinen Kabarettshows. Heute findest du hier einige der bekanntesten Bars des Kiezes.
- Nollendorfstraße 17: In diesem Haus lebte Christopher Isherwood von 1929 bis 1933, die Zeit hier inspirierte seine „Berlin Stories“.
- Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße: Seit 2013 trägt die Straße den Namen von Karl Heinrich Ulrichs, einem Vorkämpfer für queere Rechte im 19. Jahrhundert.
Abends leuchtet übrigens die Kuppel des U-Bahnhofs in Regenbogenfarben. Merk dir den Ort für später, die Bars der Motzstraße sind nur ein paar Schritte entfernt.
Mittag: Schwules Museum
Nicht weit entfernt, in der Lützowstraße 73, liegt das Schwule Museum, eines der wichtigsten Häuser für queere Geschichte, Kunst und Kultur. Im Herbst 2026 laufen dort unter anderem:
- „Cruising the Countryside“ über queeres Leben auf dem Land, bis 14. Dezember 2026
- „Susan Sontag: Sehen und gesehen werden“, bis 2. November 2026
- „Lieber glücklich als normal!“ über queere Erfahrungen in christlich fundamentalistischen Kontexten, bis 2. November 2026
Nachmittag: Kotti und Kreuzberg
Nimm die U-Bahn Richtung Kottbusser Tor. Direkt am Kotti sitzt das Südblock in der Admiralstraße, halb Café, halb Bar, dazu ein Biergarten. Tagsüber gibt es Essen, abends Partys, Konzerte, Theater und Filme. Ein guter Ort, um runterzukommen, bevor die Nacht losgeht.
Direkt hinterm Kotti in der Reichenberger Straße liegt Möbel Olfe, eine entspannte Homobar mit fairen Preisen und Themenabenden für verschiedene Teile der Community. Wenig Sitzplätze, viel Stimmung.
Abend: Bars quer durch die Stadt
Jetzt hast du die Qual der Wahl. Ein paar Klassiker, sortiert nach Kiez:
- Schöneberg: Das Hafen in der Motzstraße 19 ist eine Institution mit kleinem Innenraum und internationalem Publikum. Ein paar Häuser weiter in der Motzstraße 5 wartet die Heile Welt mit Cocktailbar vorne und Lounge hinten, eher jüngeres Publikum.
- Kreuzberg: Die Roses Bar in der Oranienstraße ist winzig, kitschig, bunt blinkend und meistens voll. Getanzt wird trotzdem.
- Neukölln: Das Silverfuture in der Weserstraße gibt es seit 2007, mit Dragshows, Lesungen und Ausstellungen für „Kings, Queens, Queers und Freund*innen“.
- Mitte: Wer es schicker mag, geht in die Bar Saint Jean in der Ziegelstraße oder in die Coven Bar nahe Hackescher Markt.
Kleiner Realitätscheck: Die Siegessäule berichtete im Februar 2026, dass queere Bars wie das Silverfuture und die kollektiv betriebene OYA Bar in Kreuzberg mit weniger Gästen kämpfen. Die OYA startete Ende 2025 sogar ein Crowdfunding. Heißt für dich: hingehen, Drinks bestellen, Trinkgeld geben. So einfach rettest du Szene.
Nacht: Clubs und Partys
Berliner Nächte fangen spät an und hören noch später auf. Ein paar Adressen, die visitBerlin aktuell als queere Spots führt:
- SO36 in der Oranienstraße, seit den 1970ern am Start und Heimat der Party Gayhane
- GEGEN im KitKatClub, eine polysexuelle Partyreihe mit Techno, Trance und House
- Chantals House of Shame auf dem RAW Gelände in Friedrichshain, eine Kultparty
- Berghain und Panorama Bar am Wriezener Bahnhof, falls du dich an der Tür versuchen willst
- Monster Ronson's Ichiban Karaoke in der Warschauer Straße mit privaten Kabinen, Dragshows und queeren Abenden
Ebenfalls auf dem RAW Gelände: die Bar zum Schmutzigen Hobby, gegründet von Dragikone Nina Queer, mit Shows und Themenabenden.
Und was ist mit dem SCHWUZ?
Der älteste queere Club der Stadt, 1977 in Schöneberg gegründet, musste nach der Insolvenz am 1. November 2025 seinen Standort am Rollberg in Neukölln schließen. Aufgegeben hat sich das SCHWUZ aber nicht: Mit neuem Vorstand und neuer Schreibweise in Großbuchstaben feierte es am 16. Mai 2026 ein ausverkauftes Comeback im Metropol am Nollendorfplatz. Seitdem läuft es als Partyreihe an wechselnden Orten, während der Verein nach einem eigenen, kleineren Clubraum innerhalb des S-Bahn-Rings sucht. Schau also in die Kanäle des SCHWUZ, wo die nächste Party steigt.
Quellen
- Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg: Der Schöneberger Regenbogenkiez
- Schwules Museum
- Qiez: Top 10 queere Bars in Berlin
- visitBerlin: LGBTQ+ Clubs in Berlin
- Siegessäule: Queere Barszene in Berlin (Februar 2026)
- Groove: SchwuZ Comeback-Party im Metropol
- Berliner Zeitung: SCHWUZ startet in eine neue Zukunft
- queer.de: SchwuZ goes Metropol
















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