Spielfilme erzählen queere Geschichten, Dokumentarfilme zeigen die Menschen, die sie gelebt haben. Wir haben dir sieben Dokus zusammengestellt, von Klassikern bis zu neueren Filmen, die auf Festivals gefeiert wurden. Zur Verfügbarkeit: Wo wir Streaming in Deutschland bestätigen konnten, steht es dabei. Ansonsten lohnt sich ein Blick auf JustWatch, in die Mediathek deiner Bibliothek oder in das Programm queerer Filmfestivals, wo viele dieser Filme immer wieder laufen.

1. Paris Is Burning (1990)

Der Film, ohne den es Pose, Drag Race und halb TikTok nicht gäbe. Jennie Livingston begleitete in den 1980ern die Ballroom-Szene in New York, getragen von Schwarzen und Latinx queeren und trans Menschen. Du lernst Pepper LaBeija, Dorian Corey, Venus Xtravaganza, Octavia St. Laurent und Willi Ninja kennen, dazu Begriffe wie Reading, Shade und Realness. Der Film gewann 1991 den Grand Jury Prize in Sundance und wurde 2016 ins National Film Registry der Library of Congress aufgenommen. Die Criterion Collection brachte 2020 eine restaurierte Fassung mit Bonusmaterial heraus.

Verfügbarkeit: Laut JustWatch ist der Film in Deutschland aktuell nicht im Stream verfügbar. Halte nach Festival-Screenings und Kinovorführungen Ausschau, die gibt es regelmäßig.

2. How to Survive a Plague (2012)

David France erzählt mit unglaublichem Archivmaterial, wie die Aktivist*innen von ACT UP und TAG in den 1980ern und 90ern dafür kämpften, dass wirksame HIV-Medikamente schneller erforscht und zugelassen werden. Ein Film über Wut, Wissen und Gemeinschaft, und darüber, wie viel queere Menschen damals selbst in die Hand nehmen mussten. Er feierte im Januar 2012 in Sundance Premiere und war für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Wenn du verstehen willst, warum PrEP und moderne HIV-Therapie keine Selbstverständlichkeit sind, fang hier an.

3. Kiki (2016)

Die perfekte Fortsetzung zu Paris Is Burning. Die Regisseurin Sara Jordenö und die Kiki-Szene-Größe Twiggy Pucci Garçon, die den Film mitgeschrieben hat, zeigen die junge Kiki-Ballroom-Szene in New York. Über mehrere Jahre begleitet der Film junge queere und trans Menschen of Color, unter anderem Gia Marie Love und Izana Vidal. Kiki lief 2016 in Sundance und gewann bei der Berlinale im selben Jahr den Teddy Award als bester queerer Dokumentarfilm.

4. The Death and Life of Marsha P. Johnson (2017)

Marsha P. Johnson gehört zu den bekanntesten Figuren der frühen queeren Bewegung in New York. Ihr Tod 1992 wurde von der Polizei schnell als Suizid abgehakt. Der Film von David France folgt der Aktivistin Victoria Cruz, die Jahrzehnte später versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist. Gleichzeitig erzählt er von Marsha und Sylvia Rivera und ihrem Einsatz für trans Menschen. Rund um den Film gab es eine Debatte darüber, wer queere Geschichte erzählen darf, was ihn noch interessanter macht.

Verfügbarkeit: Laut JustWatch in Deutschland bei Netflix im Stream.

5. Disclosure (2020)

Wie hat Hollywood trans Menschen über die Jahrzehnte dargestellt, und was hat das mit dem echten Leben gemacht? Regisseur Sam Feder lässt in Disclosure trans Schauspieler*innen und Kreative wie Laverne Cox, Michaela Jaé Rodriguez, Angelica Ross, Jamie Clayton und Chaz Bono selbst zu Wort kommen und kombiniert das mit Filmausschnitten, bei denen du teilweise zusammenzuckst. Der Film feierte im Januar 2020 in Sundance Premiere, erschien im Juni 2020 bei Netflix und gewann 2021 den GLAAD Media Award als bester Dokumentarfilm. Nach diesem Film schaust du Serien anders.

6. Nelly & Nadine (2022)

Eine Liebesgeschichte, die im Konzentrationslager Ravensbrück beginnt. 1944 lernen sich die Opernsängerin Nadine und Nelly im Lager kennen, beide überleben, und ihre Beziehung bleibt jahrzehntelang ein Familiengeheimnis. Erst Nellys Enkelin Sylvie Bianchi öffnet die Kisten mit Briefen, Tagebüchern und Filmaufnahmen. Der schwedische Regisseur Magnus Gertten hat daraus einen zutiefst bewegenden Film gemacht, der bei der Berlinale 2022 den Teddy Award gewann. In Deutschland kam er am 24. November 2022 ins Kino.

7. Kokomo City (2023)

Der neueste Film auf der Liste und einer der stärksten. Die Regisseurin D. Smith, vorher Grammy-prämierte Musikproduzentin, porträtiert vier Schwarze trans Frauen, die in New York und Georgia als Sexarbeiterinnen arbeiten: Daniella Carter, Dominique Silver, Koko Da Doll und Liyah Mitchell. Der Film ist laut, lustig, wütend und sehr direkt, die Frauen erzählen ihre Geschichten selbst und ohne Filter. Kokomo City gewann in Sundance zwei Preise in der NEXT-Sektion und bei der Berlinale 2023 den Panorama Publikumspreis für Dokumentarfilme. Koko Da Doll starb im April 2023, der Film ist ihr gewidmet.

So kommst du an die Filme

  • JustWatch nutzen: Streaming-Rechte wechseln oft. Such den Titel einfach auf JustWatch mit Land Deutschland.
  • Queere Filmfestivals: Festivals und Reihen wie die Teddy-Filme der Berlinale oder lokale queere Filmtage zeigen Klassiker immer wieder.
  • Bibliotheken: Viele Stadtbibliotheken haben DVDs oder Zugriff auf Film-Streamingdienste mit Bibliotheksausweis.
  • Gemeinsam schauen: Dokus wie diese wirken in der Gruppe noch stärker. Ein Filmabend mit Freund*innen und Diskussion danach ist eine gute Idee.

Diese Filme sind keine Pflichtlektüre im langweiligen Sinn. Sie sind lebendig, witzig, schmerzhaft und manchmal glamourös. Und sie erinnern dich daran, dass deine Community eine Geschichte hat, auf die du stolz sein kannst.

Quellen