Jede Pride, jede Queer Party, jede Karaoke-Nacht hat ihren Soundtrack. Manche Songs wurden von queeren Künstler*innen geschrieben, andere hat sich die Community einfach geschnappt und nie wieder hergegeben. Hier sind fünf Hymnen und die Geschichten, die du beim nächsten Mitsingen erzählen kannst.
Gloria Gaynor: I Will Survive (1978)
Kaum zu glauben, aber einer der ikonischsten Disco-Songs überhaupt war ursprünglich eine B-Seite. Die Plattenfirma Polydor setzte auf „Substitute“, für „I Will Survive“ blieben im Studio nur 35 Minuten. Gaynor sang ihre Parts mit einem Rückenkorsett nach einer Operation.
Dann brachte ihr Mann die Platte zu Richie Kaczor, DJ im Studio 54. Der spielte die B-Seite, andere DJs zogen nach, und Polydor musste den Song als Single neu veröffentlichen. Er landete auf Platz eins der Billboard Hot 100, gewann einen Grammy und verkaufte sich weltweit über 15 Millionen Mal. Bis heute gilt er als Hymne des queeren Empowerments.
Diana Ross: I'm Coming Out (1980)
Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic waren in einem Club in Manhattan, The Gilded Grape, und sahen dort laut Rodgers „at least 6 or 7 Diana Ross impersonators“. Ihnen wurde klar, wie sehr die Dragszene Ross verehrte. Also schrieben sie ihr einen Song mit genau diesem Titel. Der Begriff „Coming out“ hatte in der queeren Subkultur da längst seine Bedeutung.
Der Track kam bis auf Platz fünf der Billboard Hot 100 und an die Spitze der Disco-Charts. Billboard setzte ihn 2025 auf Platz drei seiner Liste der größten LGBTQ+ Hymnen.
Bronski Beat: Smalltown Boy (1984)
Wenn ein Song die Erfahrung vieler queerer Menschen aus kleinen Städten erzählt, dann dieser. Jimmy Somerville singt im Falsett über einen jungen Mann, der aus seiner Heimatstadt vertrieben wird. Treibende Clubbeats treffen auf einen tieftraurigen Text.
Das Video von Bernard Rose zeigt, wie ein Junge in einem Freizeitzentrum homophob angegriffen wird und danach nach London flieht. „Smalltown Boy“ erreichte Platz drei in Großbritannien und Platz eins in den Niederlanden, Belgien und Italien. Der Rolling Stone zählte ihn 2023 zu den inspirierendsten LGBTQ Songs, 2024 gab es Remixe zum 40. Geburtstag.
Madonna: Vogue (1990)
Vogueing kommt aus der Ballroom-Szene in New York, die du aus Paris Is Burning kennst. Madonna entdeckte den Tanz im Club Sound Factory. Zwei Tänzer aus dem House of Xtravaganza wurden für das Video als Choreografen geholt.
Das ikonische Schwarzweiß-Video drehte David Fincher in nur 16 Stunden, inspiriert von Tamara de Lempicka und alten Hollywood-Porträts. „Vogue“ stand in über 30 Ländern auf Platz eins und verkaufte sich mehr als sechs Millionen Mal. Ob Madonna damit Ballroom-Kultur bekannt gemacht oder sie sich angeeignet hat, wird bis heute diskutiert.
Robyn: Dancing On My Own (2010)
Allein auf der Tanzfläche, während dein Crush jemand anderen küsst: Robyn und Patrik Berger haben mit diesem Song den ultimativen „sad banger“ geschrieben. NME, Stereogum und Slant Magazine nannten ihn den besten Song der 2010er. Im Rolling Stone Ranking der 500 besten Songs aller Zeiten von 2021 steht er auf Platz 20.
Der Song gilt als Robyns Signature-Track und als Gay Anthem einer ganzen Generation. 2016 machte Calum Scott daraus eine langsame Version, die in Großbritannien auf Platz zwei kam. Scott sagte, die LGBTQ+ Community habe darin ihre eigene Bedeutung gefunden.
Was diese Songs verbindet
Ob Disco, Synthpop oder Electropop: Alle fünf erzählen vom Überleben, Sichtbarwerden, Weggehen oder vom Tanzen trotz allem. Darum funktionieren sie bis heute, auf der Pride Parade genauso wie um drei Uhr nachts im Club. Zeit, deine Playlist zu updaten.






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