London ist groß, teuer und manchmal anstrengend. Aber wenn es um queeres Nachtleben geht, kommt in Europa kaum eine Stadt an die Auswahl ran. Pubs mit Dragbingo, Cabaret seit Jahrzehnten, Clubs bis in den Sonntagvormittag und ein neues fünfstöckiges Queer Venue mitten in Soho. Damit du nicht drei Tage lang nur Pläne machst, hier ein Wochenende, das funktioniert.

Freitagabend: Soho warmlaufen, Shoreditch eskalieren

Starte in Soho rund um die Old Compton Street. Hier liegt die größte Dichte an queeren Bars, und ab etwa 20 Uhr füllen sich die Läden. Die Duke of Wellington ist ein klassischer Pub, der seit über 20 Jahren läuft und mit Pubquiz, Dragbingo und DJs eine entspannte Alternative zu den schickeren Bars ist. Wenn du draußen sitzen willst: The Yard Bar hat einen beheizten Innenhof, der auch im Herbst noch Spaß macht.

Unbedingt vorbeischauen solltest du bei Coven: Headquarters in der Old Compton Street 30. Dort, wo jahrelang die legendäre G-A-Y Bar war, hat im Juni 2026 ein neuer queerer Ort auf fünf Etagen eröffnet. Tagsüber Café und Treffpunkt, abends Livemusik, Cabaret und DJs von Afrobeat bis Techno. Wichtig: Laut Time Out gilt dort aktuell eine Sperrstunde um 1 Uhr, also eher Vorglühen als Endstation.

Danach geht es Richtung Old Street. Bei Feel It im XOYO in Shoreditch läuft freitags von 22:30 bis 5 Uhr eine der heißesten queeren Partys der Stadt. Die Reihe ist im Januar 2026 vom Omeara ins XOYO umgezogen, der Eintritt liegt bei rund 25 Pfund. Outfit zählt hier, gib dir also ein bisschen Mühe. Wer es poppiger und günstiger mag, ist im KU Bar in Soho gut aufgehoben: Der Club im Keller ist meist gratis, nur freitags und samstags ab 23 Uhr kostet er 5 Pfund.

Samstag: Kultur, Kaffee und eine lange Nacht in Vauxhall

Schlaf aus. Dann ab in den Osten: Dalston Superstore ist gleichzeitig Bar, Club, Galerie und Brunchspot, oft mit Dragprogramm schon tagsüber. Wenn du lieber Kultur willst, lohnt sich das Queer Britain Museum, das ohne Eintritt funktioniert (Spenden sind willkommen). Und für einen Film mit Drink: The Arzner in Bermondsey ist das erste Kino Großbritanniens, das sich komplett queeren Filmen widmet. Tagsüber arbeitet die Bar dort als Café.

Wenn du Bücher magst, plan noch einen Abstecher zu Gay's The Word ein. Der Laden gilt als ältester LGBTQ+ Buchladen des Landes und existiert seit 1979.

Abends geht es über die Themse nach Vauxhall, dem zweiten großen queeren Kiez. Erste Station ist die Royal Vauxhall Tavern (RVT), ein Pub mit Bühne und echter Geschichte. Samstags läuft dort von 21 bis 4 Uhr wechselndes Programm aus Clubnächten und Specials, von Disco bis Cabaret. Schau vorher ins Programm auf der Website, im Oktober 2026 stehen zum Beispiel Boogie Wonderland am 3. Oktober und BeefMince am 17. Oktober an.

Wer danach weiterwill, landet bei Fire London unter den Bahnbögen. Samstags geht es von 23 Uhr bis in den Sonntagvormittag, vor 1 Uhr ist der Eintritt frei, danach zahlst du je nach Event zwischen 6 und 25 Pfund. Eine Alternative für ganz späte Stunden ist Union, ebenfalls in Vauxhall, das an Wochenenden bis zum Morgen offen hat.

Sonntag: Cabaret statt Kater

Wenn du am Sonntag noch stehst: Die RVT macht sonntags schon um 16 Uhr auf, die Sunday Cabaret läuft bis 22 Uhr mit wechselnden Acts. Das ist London von seiner charmantesten Seite, laut, schräg und herzlich. Alternativ fährst du nach Clapham, wo die Two Brewers mit Drag und Cabaret einen eher lokalen Vibe hat.

Wer es ruhiger angehen will, schlendert tagsüber an der Southbank entlang und geht abends noch auf ein letztes Pint in die Halfway to Heaven nahe Charing Cross. Die Drinks dort sind vergleichsweise günstig, es gibt täglich Drag und Karaoke.

Gut zu wissen

  • Anreise: Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommst du per Direktflug nach Heathrow, Gatwick, Stansted oder City Airport. Von dort fahren Züge und U-Bahn ins Zentrum. In der Stadt bezahlst du Tube und Bus einfach kontaktlos mit Karte oder Handy.
  • Übernachten: Für das erste Mal ist Soho ideal, weil du fast alles zu Fuß erreichst. Wer eher für Vauxhall unterwegs ist, schaut sich südlich der Themse um, etwa rund um Bankside.
  • Preise grob: London ist teuer. Plan für Clubs zwischen 5 und 25 Pfund Eintritt ein, viele Bars verlangen gar nichts. Ein Pint kostet in Soho deutlich mehr als in Berlin, Happy Hours lohnen sich.
  • Timing: Bars füllen sich ab etwa 20 Uhr, in die Clubs zieht es die Leute meist gegen 1 oder 2 Uhr.
  • Vorher checken: Programme ändern sich oft. Wirf vor dem Wochenende einen Blick auf die Websites von RVT, Feel It und Fire.

London belohnt dich, wenn du ein bisschen planst und gleichzeitig offen bleibst. Die besten Abende passieren oft da, wo du nur kurz auf ein Getränk rein wolltest.

Quellen