Niemals zuvor erlebte das “T” in der Abkürzung LGBT so große Aufmerksamkeit, wie in 2015. Die amerikanische Serie Transparent, in der eine transsexuelle Protagonistin die Hauptrolle spielt, gewinnt Golden-Globe-Awards und begeistert Zuschauer weit über die Grenzen der Community hinaus. Seit diesem Jahr gilt Transsexualität offiziell auch nicht mehr als Krankheit. Wir wagen mit euch einen Blick zurück auf die Glanzstunden für transsexuelle Menschen in Politik und Medien aus 2015.

Weltärztebund: Transgeschlechtlichkeit ist keine Krankheit

Im Oktober hat der Weltärztebund in Moskau beschlossen, dass Trangeschlechtlichkeit nicht länger als Erkrankung eingestuft werden sollte. Verabschiedet wurde bei dem Treffen das “Statement on Transgender People”, welches Mediziner dazu auffordert, Transsexuelle und Transgender diskriminierungsfrei zu versorgen. Auf der internationalen Liste der Krankheiten und Gesundheitsprobleme (ICD-10) ist Transsexualität derzeit aber noch immer gelistet. Gänzlich gestrichen werden soll der Eintrag erst im Jahr 2017 im Zuge einer Neuauflage des ICD-10.

US-Sportler Bruce Jenner outet sich als Frau

 

Das beeindruckendste Coming-Out in 2015 hatte zweifellos der ehemalige US-Sportler Bruce Jenner. Im Juni bekannte sich Jenner öffentlich zu seiner Identität als Frau. Seitdem verwendet sie den weiblichen Vornamen Caitlyn. Mit ihrem medienwirksamen Outing wollte Jenner transsexuellen Jugendlichen auf der ganzen Welt Mut machen, zu sich zu stehen. Das “Vanity Fair”-Magazine druckte Caitlyn als erste transsexuelle Person auf ihr Cover. In der vielgefeierten Doku-Soap “I am Cait” gewährt Jenner Einblick in den Verlauf ihrer Transition vom Mann zur Frau.

Aydian Dowling stellt Cover nach und landet viralen Hit

Im Sommer wurde das Cover der amerikanischen Trans-Zeitschrift “FTM Magazine” zu einem viralen Hit. Der Grund: Der Aufdruck zeigte einen jungen Transsexuellen, der darauf das Bild eines Album-Covers der Band Maroon 5 nachstellte. Später stellte die “Men’s health” Aydian Dowling als Teilnehmer ihres Contests “Ultimate Guy search” vor. Der Gewinner soll auf dem Cover des Magazins landen. Es wäre das erste Mal, dass ein transsexueller Mann darauf zu sehen wäre. Derzeit befindet sich der Wettbewerb im Halbfinale.

Europa-Gericht bekräftigt Grundrecht auf Geschlechtsanpassung

 

Sterilität dürfe keine Voraussetzung für eine Geschlechtsangleichung sein. So entschieden im März die Richter des Europäischen Gerichtshofs in Straßburg. Der Staat dürfe bei einer Geschlechtsanpassung niemandem Steine in den Weg legen. Bis zu dem Urteil galt die Auffassung, dass ein Transsexueller vor einem operativen Eingriff zeugungsunfähig sein müsse. Die bisherige Praxis stelle einen Verstoß gegen Artikel 8 der Menschenrechtskonvention zur Achtung des Privat- und Familienlebens dar, hieß es im Urteilsspruch.

Laverne Cox als erste Transsexuelle auf dem Cover der “Times”

Für die meisten war es nur ein Cover wie viele andere. Für Transsexuelle bedeutete der Abdruck der transsexuellen US-Schaupielerin Laverne Cox (Orange is the New Black, u.a.) einen Meilenstein. Niemals zuvor war auf dem “Times”-Magazin eine transsexuelle Person abgedruckt worden. Der weltweiten Trans-Community verhalf die Schauspielerin auf diese Weise zu mehr Sichtbarkeit. Bürgerrechtsaktivisten werteten ihren Abdruck als einen wichtigen weiteren Schritt zu mehr Gleichberechtigung von Transpersonen. Grund ist, dass dem Abdruck ein Streit mit dem Magazin vorausging. Weil man sich geweigert hatte, Cox als Frau in der Liste der “Times 100” der einflussreichsten Frauen der Welt aufzuführen, erfolgte ihr Abdruck als Reaktion auf öffentliche Proteste.

Transparent gewinnt Golden Globes und den GLAAD-Media-Award

 

Mit seiner hauseigenen Webserie konnte Amazon im Januar gleich mehrere Golden Globes abstauben. Den ersten Preis gab es für die Show, den zweiten für den Hauptdarsteller Jeffrey Tambor. Tambor spielt in dem Familiendrama die transsexuelle Mort. Erst in einem Alter von über 60 Jahren gelingt es ihr, nicht zuletzt durch die bedingsunslose Liebe ihrer Kinder, zu ihrer wahren Identität zu stehen. Regisseur Jill Solloway gewann im März außerdem den von der LGBT-Organisation GLAAD (Gay and Lesbian Alliance Against Defamation) verliehenen Preis GLAAD-Media-Award.

Amerikanische Streitkräfte beenden Diskriminierung von Transsexuellen

Nachdem vor vier Jahren bereits das Homo-Verbot in den amerikanischen Streitkräften fiel, wurde in diesem Juli nun auch die Diskriminierung von Trassexuellen beendet. Bis dahin stellte Transsexualität in den “Armed Forces” einen unbedingten Entlassungsgrund dar. In Kraft tritt die Änderung erst in 2016, jedoch will Verteidigungsminister Ashton Carter bis dahin die Entlassung von Transsexuellen erheblich erschweren. Laut Schätzungen sollen in den amerikanischen Truppen bis zu 15.500 Menschen ihre Geschlechtsidentität geheim halten.